Gemeinde Waldorf

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Kräutergarten

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Eine Zeitreise durch den Kräuter- und Gemüsegarten


KräutergartenDie ersten Bauerngärten in unseren Breiten sind geprägt von den Bedürfnissen ihrer Besitzer.
So leben die Kelten (nicht zu verwechseln mit den Germanen) von der Viehzucht, der Jagd, einem klimatisch bedingten eher bescheiden anmutendem Ackerbau und von Kräutern bzw. Wildfrüchten die in der Natur gesammelt werden.
Ausgrabungen bestätigen, dass Wildfrüchte wie Schlehen, Weißdorn, Vogelbeeren, wilde Äpfel, wilde Birnen, Nüsse, Bucheckern u. a. auf dem Speiseplan stehen.

Als die Römer diesen Teil der alten Welt besetzen, spottet der römische Schriftsteller Tacitus im 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung über die Ärmlichkeit der Gärten, in denen außer Kohl, Mohrrüben und Hülsenfrüchten nichts Genießbares zu finden sei.
Die Römer genießen die Vorteile einer hoch entwickelten, auch auf Ästhetik zielenden Gartenkultur. Sie legen bei ihren Villen z.B. in der Stadt Köln die ersten Gärten mit südländischen Zier- u. Nutzpflanzen an. Bis zum Niederrhein und sogar bis Südschweden wird Weinbau betrieben.
Wie wir aus den Aufzeichnungen Plinius des Älteren erfahren können, kennen die Römer bereits die Technik des Mulchens, um den Boden vor dem Austrocknen zu schützen und das übermäßige Auflaufen von „Beikräutern“ zu begrenzen. Damit werden ihm auch organische Stoffe zugeführt, die die Bodenlebewesen zur Aufnahme für die Pflanzen weiterverarbeiten.
So lernen unsere Vorfahren weitere Gemüse wie Amaranth, Sellerie, rote u. weiße Rüben und einige Kohlsorten kennen.

KräutergartenMit dem Zerbrechen des römischen Reiches und den Zeiten der Völkerwanderung regieren Hunger und Pest. Viel von dem angesammelten Wissen über den Anbau und die Vielfalt der Gartenpflanzen geht verloren.
Im Mittelalter werden Kloster- u. Burggärten zu Ausgangspunkten der abendländischen Gartenkultur. Sie alle besitzen eine streng geordnete geometrische Struktur, in der den Nutzpflanzen und Kräutern festgelegte Quartiere zugeordnet sind.
Als Höhepunkt dieser Entwicklung kann man die Landgüterverordnung Karls des Großen (742-814)(Capitulare de villis) bezeichnen.
In ihm werden 90 Pflanzen benannt, deren Anbau und Vielfalt auf den königlichen Domänen die ganzheitliche Versorgung und Gesundheit der Untertanen des Königs gewährleisten soll. Zu recht kann man das Capitulare erste Sozial- und Wirtschafts-ordnung des Mittelalters nennen.
(Die nach dem historischen Vorbild angelegten Karlsgärten sind für jede/n Interessierte/n auf Gut Melaten an der RWTH Aachen zu besichtigen / Freundeskreis Botanischer Garten Aachen e.V.: Tel.: (0171) 270958)

Mit der Entdeckung der Neuen Welt kehren andere Nutzpflanzen wie Kartoffeln, Tomaten u.a. in den heutigen modernen Bauerngarten ein. Blütenpflanzen prägen das Bild ebenso wie Gemüse und Kräuter.
Der kleine Schaugarten für Spectaculum Historiae in Waldorf versucht die Geometrie der Bauern-u. Klostergärten mit den vier historischen Segmenten zu vereinen. Er stellt eine kleine Auswahl der in den Epochen genutzen Pflanzen dar.

Für unsere Zukunft und die nachfolgender Lebewesen ist die Erhaltung der Vielfalt unser Nutz- u. Wildpflanzen wichtig.
Machen wir aus unserem Garten eine Arche Noah für Genießer!